Ritalin – die Kinderdroge

Das Zappel-Philipp-Syndrom, auch ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) genannt, das nervöse Kinder umschreibt, die sich schlecht über den gesamten Schultag konzentrieren können, wird immer häufiger mit Ritalin behandelt. Etwa jedes 10. Kind erhält das Medikament aufgrund vorzeitiger Einschulung, mangelnder körperlicher Auslastung und belastender Elternhäuser. Statt sich an den Bedürfnissen der Kinder zu orientieren, wie Einschulung erst beim Erlangen der Schulreife, ausreichende altersentsprechende Bewegung, ein unbelastetes Elternhaus, wird Ritalin verordnet. Eine bequeme Lösung für Ärzte, Lehrer und Eltern, doch was bedeutet es für ein Kind?

Eine kanadische Metastudie mit 1 Million Grundschulkinder belegte, dass Kinder, die die Diagnose ADHS erhielten und mit Ritalin behandelt wurden, in Wirklichkeit häufig lediglich zu früh (mit 5 Jahren) eingeschult wurden und damit ganz normales altersentsprechendes Verhalten zeigten: 5-Jährige können in der Regel noch nicht so lange stillsitzen, wie in der Schule gefordert. Statt die Kinder ein Jahr zurückzustellen, damit sie den Entwicklungssprung zum 6-jährigen schulreifen Kind selbständig schaffen, wurde ihnen die Droge Ritalin verabreicht. Nicht schulreife Kinder haben eine 48% höhere Wahrscheinlichkeit medikamentös behandelt zu werden, als schulreife Kinder.

Weltweit wird 10 Millionen Kindern Ritalin verordnet, alleine in Deutschland wurde der Ritalinabsatz von 1995 bis 2000 um das 10-fache auf 13,5 Millionen Tagesdosen gesteigert.

Was ist Ritalin?

Der Wirkstoff in Ritalin ist Methylphenidat, ein Amphetamin ähnlicher Stoff, ein Aufputschmittel, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt mit gesonderter Verschreibungspflicht.

Methylphenidat wurde erstmals 1944 von Leandro Panizzon entdeckt, dessen Frau es im Selbstversuch als leistungssteigerndes Dopingmittel für das Tennisspiel beschrieb.

Die Summenformel von Ritalin ist C14H19NO2, die von Kokain, mit dem es in der Wirkweise verglichen wird, C17H21NO4.

Alpha-Methylphenethylamin ist ein synthetisches Amphetamin, das erstmals 1887 von Lazar Edeleanu während seiner Doktorarbeit synthetisiert wurde, es ist verwandt mit dem natürlich vorkommenden Aufputschmittel Ephedrin und vielen psychotropen Substanzen wie Ecstasy, es wird in der Drogenszene als Speed gehandelt.

Die Substanzen ähneln sich in Wirkungen und Nebenwirkungen. Da Ritalin im Gehirn ähnlich wirke wie Kokain, könne es laut Ärzteblatt möglicherweise als Ersatzdroge dienen wie Methadon für Heroin.

Kokain, Amphetamin und Ritalin können zur Leistungssteigerung, also als Dopingmittel eingesetzt werden. Sie putschen auf, halten lange wach, vermindern den Appetit und verbessern während der Einnahme das Selbstbewusstsein. Nach der Einnahme kommt es jedoch gehäuft zu Depressionen.

Bei Kindern wirkt das Aufputschmittel Ritalin paradox, nämlich wie ein Beruhigungsmittel. Lange Zeit glaubte die Medizin, dass eine beruhigende Wirkung durch Ritalin auf Kinder ein Beweis für die Diagnose ADHS sei, inzwischen ist jedoch bekannt, dass Ritalin auch auf gesunde Kinder eine beruhigende und leistungssteigernde Wirkung hat. Der leistungssteigernde Effekt wird von Eltern lernschwächerer Kinder, älteren Schülern und Studierenden häufig missbraucht, um bessere Noten zu erzielen.

Ähnlich wie Kokain und alpha-Amphetamin hat auch Ritalin schwere Nebenwirkungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck), Hautausschläge, Haarausfall, gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Brennen in der Speiseröhre; außerdem können Schwindel, Schweißausbrüche, mangelnde eigenregulierte Selbstkontrolle, Depersonalisation (Fremdheitsgefühle), Suchterkrankungen, Psychosen und Depressionen auftreten. Die Suchterkrankungen dürften aus dem in der Kindheit erlernten Verhalten, Probleme mit Rauschmitteln zu behandeln, resultieren, die schweren psychischen Störungen als Spätfolgen oder als Problematik beim Absetzen des Ritalins.

Forscher in den USA haben in einer Langzeitstudie festgestellt, dass Ritalin den Hirnstoffwechsel negativ beeinflusst, sodass das Eiweiß, das eigentlich durch die Einnahme gehemmt werden soll, zunimmt. Nach Absetzen von Ritalin führe dies zu einer Zunahme der ADHS-Symptome.

Bevor Kinder besserer Schulnoten zuliebe solchen Gefahren aussetzt werden, sollte zunächst auf eine altersentsprechende Förderung geachtet werden, die auch den gesunden Bewegungsdrang von Kindern berücksichtigt, außerdem sollten innerfamiliäre Konfliktlösungen angestrebt werden, um Kindern die Dauerbelastung schwieriger Elternhäuser zu nehmen. Erziehungsberatungsstellen und Familientherapeuten können hier behilflich sein.

Ein Artikel im Sisyphus-Magazin kann den Besuch bei einer Beratungsstelle, einem Psychologen oder Arzt niemals ersetzen.

Quellen:

http://www.chemie.de
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/frueh-eingeschulte-kinder-adhs-ist-oft-falschdiagnose-a-836039.html

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/risiko/veraenderung-im-stoffwechsel-ritalin-kann-zu-langzeitfolgen-im-gehirn-fuehren_aid_992226.html

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54971/Ritalin-koennte-gegen-Kokainabhaengigkeit-helfen

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