Wenn Stress krank macht

Positiven und negativen Stress differenzieren: Alarmsignale erkennen und Krankheiten vorbeugen.

Zu viel Stress macht krank, zu wenig auch.

In Zeiten steigender Leistungsanforderungen ist Stress vorprogrammiert. Während er zu Beginn euphorisierend wirkt, dazu einlädt weitere Aufgaben zu übernehmen, führt Dauerstress zu Erkrankungen. Wieso bleiben die einen bei zunehmenden Aufgaben gesund, während andere krank werden? Wenn hohe äußere Anforderungen auf ungünstige Umwelt- und Arbeitsbedingungen sowie auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale treffen, ist der Mensch gefährdet, durch Stress krank zu werden. Menschen, die Schwierigkeiten haben Nein zu sagen, Aufgaben zu delegieren, Prioritäten zu setzen und ihre Rechte einzufordern, sind besonders gefährdet. Fehlt zusätzlich die Anerkennung wie ein angemessenes Gehalt, ist der Teufelskreis aus Verausgabung ohne die Möglichkeit eines Ausgleichs ein fruchtbarer Boden für die Entwicklung von Krankheiten. Burnout-Syndrom, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein. Doch wieso macht Stress krank, was passiert im Körper, dass wir krank werden?

Physiologische Ursachen: Warum Stress krank macht

Stress versetzt den Körper in Alarmbereitschaft.  Hormone der Nebennieren wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, um die Stresssituation zu bewältigen und auf den Stressor reagieren zu können. Die Sauerstoffzufuhr wird erhöht und die Muskeln angespannt. Ist die Gefahrensituation vorüber, gleicht der Körper über die sogenannte Stressreaktion, das hormonelle Ungleichgewicht wieder aus und gerät in seine ursprüngliche Balance zurück. Chronischer Stress jedoch verhindert, dass der Körper in sein ursprüngliches hormonelles Gleichgewicht zurückfindet, der Körper bleibt in Alarmbereitschaft.  Stresshormone, die ursprünglich der Bewältigung von Gefahrensituationen dienten und zu Kampf oder Flucht befähigten,  werden dauerhaft frei gesetzt. In Folge des chronisch erhöhten Spiegels von Stresshormonen, entwickelt der Körper einen Mangel an Dopamin, Noradrenalin und Serotonin, wodurch die Stimmung und die Aufmerksamkeit sinkt. Zusätzlich sterben im Hippocampus Hirnzellen ab, was zu Gedächtnisproblemen führen kann.

Psychische Ursachen: Warum macht Stress manche Menschen krank und andere nicht?

Stress beflügelt, Stresshormone führen zu Glücksgefühlen und Zufriedenheit, aber nur, wenn der Körper zurück in sein natürliches hormonelles Gleichgewicht findet. Um diese Balance zu halten, müssen auf Stresssituationen Ruhepausen folgen. Ruhepausen signalisieren dem Körper „Die Gefahr ist vorüber“, Stresshormone sind im Moment überflüssig. Menschen, die dazu neigen statt Ruhephasen einzulegen, weitere Aufgaben und Arbeiten zu übernehmen, sind besonders gefährdet Stresskrankheiten zu entwickeln.

Häufig haben sie Probleme nein zu sagen, wenn ein neues Projekt, eine neue Aufgabe an sie herangetragen wird, Prioritäten zu setzen oder Aufgaben zu delegieren. Sie ziehen ihr Selbstbewusstsein aus ihren Leistungen, was sie dazu motiviert, noch mehr Aufgaben an sich zu reißen. Aus Angst, Mitarbeiter könnten Arbeiten schlechter oder besser bewältigen als sie,  erledigen sie das meiste selbst. Wenn schließlich noch schlecht zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterschieden werden kann, und ein schlechtes Zeitmanagement hinzu kommt, sind sie besonders gefährdet sich in eine Dauerstresssituation zu bringen und daran zu erkranken. Doch woran erkennt man Dauerstress, der zu Krankheit führen kann?

Warnsignale des Körpers: Wie erkennt man krank machenden Stress?

Menschen, die gefährdet sind durch Stress zu erkranken, neigen dazu die Warnsignale des Körpers zu ignorieren. Nur, wer seinen Körper und dessen Hilferufe ernst nimmt, kann sich dauerhaft schützen. Warnzeichen sind z.B. das Gefühl, nicht mehr abschalten zu können, ständiges Grübeln, physische Symptome wie Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, vermehrter Drogenkonsum (auch Kaffee, Nikotin und Alkohol) und Schlafstörungen. Mit solchen Symptomen zeigt der Organismus deutlich, dass er überfordert ist und droht krank zu werden. Zeigt der Körper solche Symptome, ist es Zeit umzudenken und das Verhalten zu ändern, um Krankheiten wie Burnout-Syndrom, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern.

Was tun gegen Dauerstress?

Dauerstress führt häufig dazu, den Blick für das Wesentliche, die Zeit und die Prioritäten zu verlieren. Pausen, Entspannung und Feierabende, Differenzierungen zwischen vermeidbarem und unvermeidbarem Stress oder delegierbaren und nicht delegierbaren Aufgaben, sind nicht mehr möglich. Subjektiv scheint dem Dauergestressten jede seiner Aufgaben enorm wichtig und nicht delegierbar zu sein, er erlebt sich als nicht ersetzbar. Erst wenn er dann durch längere Krankheit ausfällt, wird ihm deutlich, dass objektiv die meisten seiner Aufgaben auch durch andere ersetzt werden können. Mit einem guten  Prioritäten-  und Zeitmanagement kann das verhindert werden.

Sport, Autogenes Training, Meditation, Yoga oder Atemübungen können den Körper dabei unterstützen, wieder ins hormonelle Gleichgewicht zu kommen. Sie können zur Vorbeugung, als auch bei den ersten Symptomen wie Schlafstörungen, Nervosität oder Erschöpfung eingesetzt werden und sind selbst bei ausgeprägten Depressionen hilfreich.

Freizeitstress sollte jedoch vermieden werden, Faulenzen ist eine der besten Vorbeugemaßnahmen gegen durch Stress ausgelöste Erkrankungen. Aber auch hier ist das richtige Maß erforderlich, Menschen, die dauerhaft zu wenig Aufgaben haben, leiden ebenso an Dauerstress und den gleichen Folgeerkrankungen, wie Menschen, die zu viele Aufgaben haben.

Ein Artikel im Sisyphusmagazin kann fachlichen Rat und den Besuch bei einem Arzt oder Psychologen nicht ersetzen.

Quellen:  Spektrum der Wissenschaft Dossier, 06/08

Psychologie heute compact, Nr. 27/2011

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