Erkennung von Förderbedarf in den Kindertageseinrichtungen und die gewünschte Kooperation zur Grundschule

Eine zentrale Aufgabe der Kindertagesstätten ist die frühkindliche Entwicklungsförderung. Die zentrale Aufgabe einer Grundschule ist das Lehren. Zwei getrennte pädagogische Einrichtungen mit unterschiedlichem Bildungsauftrag. Ist hier die Kooperation beider Einrichtungen zum Wohle des Kindes unverzichtbar? Durch das  Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes NRW (KiBiz) am 01.08.2008 hat sich in den Kindertagesstätten einiges verändert. Während in dem alten Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder (GTK) hauptsächlich organisatorische und finanzielle Rechtsfragen geregelt waren, so greift das KiBiz doch sehr in den Arbeitsalltag der Erzieher und den Sozialpädagogischen Assistenten ein.

Auch schafft das KiBiz  eine rechtliche Grundlage zur Datenerhebung über Entwicklungs- und Bildungsstand der Kinder.

Kinderbildungsgesetz §13b(Fn7) Absatz 1
„(1) Grundlage der Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages, insbesondere der individuellen stärkenorientierten ganzheitlichen Förderung eines jeden Kindes ist eine regelmäßige alltagsintegrierte wahrnehmende Beobachtung des Kindes. Diese ist auch auf seine Möglichkeiten und auf die individuelle Vielfalt seiner Handlungen, Vorstellungen, Ideen, Werke und Problemlösungen gerichtet. Die Beobachtung und Auswertung mündet in die regelmäßige Dokumentation des Entwicklungs- und Bildungsprozesses des Kindes (Bildungsdokumentation). Nach einem umfassenden Aufnahmegespräch mit den Eltern und einer Eingewöhnungsphase, spätestens aber sechs Monate nach Aufnahme des Kindes in die Kindertageseinrichtung, erfolgt eine erste Dokumentation. Entsprechendes ist für die Förderung in Kindertagespflege anzustreben. Die Bildungsdokumentation setzt die schriftliche Zustimmung der Eltern voraus.“

Erstmals wird zusätzlich auch eine Datenweitergabe an die Schulen ermöglicht.

Kinderbildungsgesetz NRW §13b(Fn7)
„2) Die Bildungsdokumentation ist auch Gegenstand von Entwicklungsgesprächen mit den Eltern. Wenn die Eltern in zeitlicher Nähe zur Informationsweitergabe schriftlich zugestimmt haben, wird sie den Grundschulen zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt und von den Lehrkräften des Primarbereichs in die weitere individuelle Förderung einbezogen. Die Eltern sind dabei auf ihre Widerspruchsmöglichkeit hinzuweisen. Endet die Betreuung des Kindes in der Tageseinrichtung, wird die Bildungsdokumentation den Eltern ausgehändigt.“

Solange Schulen und Kindertagesstätten unterschiedliche Herangehensweisen bei der Ermittlung des Förderbedarfes haben und Fördergelder für verschiedene Aufgabenbereiche benötigen, ist es sinnvoll die Datenhoheit der Kinder in den Kindertagesstätten zu belassen.

Wird in Kindertagesstätten von Förderbedarf gesprochen, so ist in erste Linie von einer in den Alltag eingebundenen Hilfestellung die Rede, die alle Entwicklungsbereiche des Kindes beinhalten sollte. Für den Erzieher ist die Grundlage aller fundierten Erkenntnis das Beobachten. Hier ist der Erzieher als Beobachter darauf angewiesen, die Signale des Kindes wahrzunehmen und objektiv zu deuten, um festzustellen, welche Interessen das Kind hat und zu erfassen, welcher Entwicklungsschritt dem Kind bevorsteht.

Die Grundlage
Die „wahrnehmende Beobachtung“ ist eine „nicht teilnehmende“ Beobachtungsmethode. Der Beobachter nimmt keinen Einfluss auf die Situation, in der das Kind beobachtet wird.  Die wahrnehmende Beobachtung ermöglicht dem Erzieher, sich ein Bild über den Entwicklungstand des Kindes zu machen, ohne es durch Anforderungen zu beeinflussen. Natürlich ist die wahrnehmende Beobachtung  nur eine von vielen Methoden, die in den Kitas angewendet wird. Nur durch zusätzliche gezielte, geplante und überprüfbare Beobachtungsmethoden kommt die Fachkraft zu einer aussagekräftigen und belegbaren „Einschätzung“ über den Entwicklungstand/-fortschritt.

Beobachtungsmethoden in Kitas
Teilnehmende/nicht teilnehmende Beobachtung
offene/verdeckte Beobachtung
unstrukturierte/strukturierte Beobachtung
Einzel-/Gruppenbeobachtung
Kurzzeit-/Langzeitbeobachtung

Alle diese Methoden haben das Ziel, das Kind ganzheitlich in seiner Entwicklung  zu erfassen und bei Bedarf Angebote zu entwickeln, die im Interesse des Kindes liegen.
Kein Erzieher verfügt über eine Ausbildung, die ihn dazu befähigt, eine Diagnose zu erstellen, die eine sonderpädagogische Förderung anzeigen würde. Hier muss der Erzieher die Eltern an eine kompetente Person oder Einrichtung z.B. eine  Frühförderstelle verweisen.

Wird in den Schulen von Förderbedarf gesprochen, so ist in den meisten Fällen von einem sonderpädagogischen Förderbedarf die Rede. Wenn ein Kind den Anforderungen der Schule nicht gerecht wird, so kann sonderpädagogischer Förderbedarf geltend gemacht werden. Lehrer haben im Gegensatz zu Erziehern in der Regel nicht die Möglichkeit, Kinder ganzheitlich zu fördern.
Auch Lehrern fehlt es an einer Ausbildung, die sie befähigen würde eine Diagnose zu stellen, ob ein sonderpädagogischen Bedarf vorliegt. Auch hier gibt es Unterschiede, Eltern müssen einer Begutachtung zwar auch in der Schule zustimmen, haben aber keine  Gutachterwahl mehr wie in Kindertagesstätten.

 

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