Soteria – Hoffnung bei Schizophrenie

Die Soteria ist ein milieutherapeutisches Konzept zur Schizophreniebehandlung. In den 1970er Jahren entwickelte Loren Mosher, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Direktor des Zentrums für Schizophrenieforschung am National Institute of Mental Health in Maryland, das milieutherapeutische Behandlungsmodell der Soteria.

Soteria kommt aus dem Griechischen und bedeutet Geborgenheit, Heil, Sicherheit, Befreiung. Ganz im Sinne dieser Bedeutung nahm Mosher eine kleine Gruppe schizophrener Patienten in seine Wohngemeinschaft auf. Zwangsbehandlungen, wie Fixierung, Einsperren und Zwangsmedikation, wie sie schizophrene Menschen häufig aus klassischen Psychiatrien kennen, waren hier tabu. Stattdessen erhielten die Patienten zu Beginn eine einfühlsame 24-Stunden-Begleitung in einem reizarmen Zimmer, dem so genannten weichen Zimmer, durch eine feste Bezugsperson. Nach etwa sechs Wochen klangen die Symptome ab und die Patienten konnten in die Wohngemeinschaft integriert werden, in der sie kleinere Aufgaben für die Gemeinschaft erledigten. Es folgte eine Schritt-für-Schritt-Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Soteria im Vergleich zur Behandlung mit Neuroleptika bei schizophrenen Patienten

Ähnlich wie bei der Behandlung mit Neuroleptika klingen die Symptome der Schizophrenie durch die einfühlsame Begleitung einer Bezugsperson in einer sicheren, geborgenen Umgebung im Schnitt nach etwa sechs Wochen ab. Langzeitstudien konnten jedoch belegen, dass Patienten mit einer Psychosebegleitung bessere Zukunftsprognosen aufweisen als Patienten mit einer Neuroleptikabehandlung. Sie haben weniger Rückfälle, können sich besser in die Gesellschaft integrieren, verfügen über bessere Beziehungen zu ihren Mitmenschen und sind arbeitsfähiger. Trotz ethischer Vorzüge und besserer Prognosen konnte sich das Konzept nicht durchsetzen.

Soteria in Deutschland

Entgegen der Widerstände in Deutschland, wo psychiatrische Forschung und Lehre maßgeblich von der Pharmaindustrie abhängen, schizophrenen Menschen Alternativen zu Neuroleptika und Psychiatrien zu bieten, gewinnt das Modell der Soteria selbst hier an Bedeutung. Dies ist der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS), die 1997 von Luc Ciompi in Bern gegründet wurde und der Psychiatrie-Erfahrenen-Bewegung zu verdanken, die im Bundesverband für Psychiatrie-Erfahrene politisch organisiert ist und für eine humanere Psychiatrie kämpft.

Kliniken mit  Soteriaabteilungen existieren in Bern, gegründet von Luc Ciompi, der die Soteria, inspiriert durch Mosher nach Europa brachte, in Deutschland im München Klinikum Ost in Haar (seit 2003) und in der Münsterklinik Zwiefalten (seit 1999). Die Soteria in Europa verzichtet nicht wie in den USA vollständig auf medikamentöse Behandlung, jedoch werden dort Psychopharmaka nur in Absprache mit den Patienten und in sehr niedriger Dosierung verordnet. In Aachen, Bremen, Friedberg, Gießen, Hamm, Hannover, Langenfeld und Gangelt existieren Stationen mit integrierten Soteria-Elementen. Eine Soteria ähnliche Krisen-Wohngruppe außerhalb vom Krankenhaus besteht in Solingen. Wohnungslose Psychiatrie-Erfahrene können im Weglaufhaus Berlin für einige Zeit Unterschlupf bekommen, um ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Außerdem gibt es etliche ambulante Angebote, die ebenfalls Soteria inspiriert sind.

Quellen:

Vortrag: Soteriabehandlung in den USA: Loren Mosher, 1995, Ffm

Luc Ciompi/Holger Hoffmann: Wie wirkt Soteria?, 1. Aufl. 2001, Verlag Hans Huber

Luc Ciompi/Elisabeth Aebi: Soteria im Gespräch, 1993, Psychiatrie Verlag

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