Ehemaliger Sonderschüler Nenad M. verklagt das Land NRW auf Schadensersatz

Grund der Klage: Amtspflichtverletzung von Sonderpädagogen des Landes NRW.

Prozessbeginn war am 07.03.2017 am Landgericht Köln.

Kurzer Einblick:
Geboren in Köln als Sohn serbischer Kriegsflüchtlinge, wurde Nenad M. in Coburg (Bayern) eingeschult.
Da Nenad M. in der Klasse kein Wort sprach, beauftragte die Schule einen Sonderpädagogen, den Jungen hinsichtlich eines Förderbedarfs zu begutachten.
Genau wie in der Schule fiel es dem Gutachter nicht auf, dass Nenad kein Wort Deutsch verstand, geschweige denn sprach. Er sprach und verstand nur Romani, die Sprache seiner Eltern.
Laut dem Ergebnis des Gutachtens besteht bei Nenad M. Förderbedarf. Bei einem im Rahmen der Begutachtung durchgeführten Intelligenztest wurde bei Nenad ein IQ von 59 festgestellt. Ab diesem Zeitpunkt galt Nenad als geistig behindert, und er musste auf eine Förderschule für geistig Behinderte wechseln.
Auch als er dann mit seinen Eltern zurück nach Köln zog, musste er weiter auf eine Förderschule für geistig Behinderte gehen.
Bis zu seinem 18. Lebensjahr verweigerte die Schule Nenad die Rückkehr zu einer Regelschule.
Das änderte sich erst, als der Pädagoge und Aktivist Kurt Holl in das Leben von Nenad trat.
Er erkannte, dass bei Nenad keine geistige Behinderung vorlag, und schaffte es mit Hilfe des Kölner Elternverein mittendrin e.V., Nenad von der Förderschule abzumelden und bei einem Berufskolleg in Köln anzumelden.
Auf dem Berufskolleg hat Nenad als einer der Klassenbesten seinen Hauptschulabschluss gemacht. Jetzt visiert er die mittlere Reife an.
Eine neue Begutachtung des jungen Mannes, die Kurt Holl noch vor seinem Tod angestrebt hatte, ergab, dass Nenad einen im Bundesdurchschnitt liegenden IQ von fast 100 hat.

Dieser Fall wirft viele Fragen auf:
Wie kann es sein, dass ein in Deutschland geborenes Kind bei seiner Einschulung kein Wort Deutsch versteht?
Wie kann es sein, dass es weder den Lehrern noch dem Gutachter aufgefallen ist, dass er nur Romani spricht?
Wie kann es sein, dass es an der Förderschule niemandem auffiel, dass bei ihm keine geistige Behinderung vorliegt?
Das sind nur drei der vielen Fragen, die sich auf diesen Fall beziehen; sie haben ihre Berechtigung allein schon dadurch, dass es unfassbar erscheint, dass so etwas überhaupt möglich ist.

Hier möchte ich mich weniger auf die Suche nach Antworten begeben, die sich speziell aus dem Fall Nenad beziehen.
Allein die Tatsache, dass so etwas möglich ist, hat mich dazu veranlasst, einmal genauer hinzuschauen, wann und wie sich so eine „Sonderschulkarriere“ abzeichnet.
Eines kann ich schon klar sagen: Solange ein Kind im Alter von 0 bis-5/6 Jahren zuhause betreut wird, ist es auch „sicher“ vor einer Fremdbeobachtung, die zu eklatanten Fehlgutachten führen kann. Diese Sicherheit hat nur einen großen Nachteil: die frühzeitige Förderung bei real existierenden Entwicklungsdefiziten kann ebenfalls nicht stattfinden.

Das ist Anlass genug, mich in Teil 2 zuerst einmal mit der Erkennung von Förderbedarf in den Kindertageseinrichtungen zu befassen. Insbesondere lege ich hier mein Augenmerk auf den Entwicklungsbericht, in dem das Fachpersonal einer Einrichtung den Entwicklungsstand/Fortschritt für jedes einzelne Kind dokumentieren muss.
In Teil 3 geht es um Fragen und Antworten zum sonderpädagogischen Förderbedarf in der Primarstufe. Hier wird mein Schwerpunkt neben dem Aufzeigen der Verfahrenstechnik zur Feststellung eines Förderbedarfs die Frage sein, ob ein festgestellter Bedarf auch zwangsläufig zum Besuch einer Förderschule führt.
In Teil 4 – Einbahnstraße Sonderschule – wird es darum gehen, ob Nenad ein Einzelfall ist und welche Möglichkeiten es gibt, sich aus den Fängen der Sonderschule zu befreien.

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Teil 1
Titel: Ehemaliger Sonderschüler Nenad M. verklagt das Land NRW auf                Schadensersatz                                                                                                                                     Veröffentlichung  in der 20. KW

Teil 2
Titel: Erkennung von Förderbedarf in den Kindertageseinrichtungen
Geplante Veröffentlichung  in der 22. KW

Teil 3
Titel: Antworten zum Sonderpädagogischen Förderbedarf
Geplante Veröffentlichung  in der 24. KW

Teil 4
Titel: Einbahnstraße Sonderschule
Geplante Veröffentlichung  in der 26. KW

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