New York – von so weit her der Name

Der Ortsname New York entstand 1664. Zuvor hieß die Ansiedlung vier Jahrzehnte lang Nieuw Amsterdam; denn sie gehörte damals zum niederländischen Kolonialgebiet an der Ostküste Nordamerikas. Die dort ansässigen Lenape-Indianer mussten sich großenteils westwärts zurückziehen. Nach der englischen Eroberung übertrug König Karl II. die Inselstadt an seinen Bruder James Stuart, Herzog von York, der später Karls Nachfolger als König Jakob II. von England wurde. Daher also die Bezeichnung für die heutige US-Metropole.

Aber woher der Name York? So einsilbig er lautet, so vertrackt sind die Teile, aus denen er sich zusammensetzt. Obwohl die heutige nordenglische Großstadt weit im Inneren der britischen Hauptinsel liegt, hat die Endung ihres ausführlichen älteren Namens Jórvík die Bedeutung „Bucht“. Dieser scheinbare Fehlgriff – immerhin liegt York nur etwa fünfzig Kilometer nordwestlich der buchtähnlichen Flussmündung Humber – will freilich nichts besagen, wenn man bedenkt, wer in der Zeit um das Jahr 900 in dem Gebiet das Sagen hatte: die Wikinger. Das Wik in deren Namen ist nun durchaus angebracht, waren sie doch ein ausgesprochen „buchtenerfahrenes“ Seefahrervolk.

Jórvík, das heißt „Pferdebucht“, könnte rein lautlich wiederum von Eoforwic hergeleitet sein, was für die Angelsachsen so viel wie „Eberrevier“ bedeutete. Das im 5. und 6. Jahrhundert eingewanderte Mischvolk könnte sich dabei, ebenfalls vom Klang her, nach dem lateinischen Eboracum gerichtet haben: so der Name, den die Römer dem vermeintlichen „Ort der Elfenbäume“ gaben, als sie seit dem 1. Jahrhundert das keltische Britannien besetzt hielten.

Nach solchen Vorgaben haben wir ziemlich freie Hand, wenn wir dem weltbedeutenden Ort New York zum Abschluss dieser Erörterung ein nomen est omen ‚verortnen‘ wollen. Eingedenk des irgendwie trächtigsten Ortsteils möchte ich vorschlagen: Bullen- und Bärenbucht.


LITERATUR

Lonely Planet: New York. Deutsche Ausgabe (Mairdumont)

Dietmar Urmes: Handbuch der geographischen Namen. Ihre Herkunft, Entwicklung und Bedeutung (Marix Verlag)

3 Gedanken zu “New York – von so weit her der Name

  1. so ganz verstehe ich den Artikel nicht: wenn es stimmt, dass New York mal „Nieuw Amsterdam“ hieß und dann vom Herzog von York übernommen wurde, brauche ich keine Etymologie, um auf New York zu kommen. Egal, woher der Graf seinen Namen hatte, er hat seinen eigenen Namen der kolonialen Stadt aufgepfropft, zumindest mein Verständnis soweit.

    Woher der Kerl seinen Namen hatte? na ja, von dem Dorf, über das er regierte. Ist doch klar, oder? Das hieß York, also war er der Herzog von York, end of story.

    Und ob das Kaff nun irgendeinen sinnvollen Namen hat, ist bereits um so viele Ecken gedacht, dass es für die Stadt New York kaum noch ein Rolle spielt, oder?

    Das zweite, was mir nicht einleuchtet: „Das Wik in deren Namen ist nun durchaus angebracht, waren sie doch ein ausgesprochen „buchtenerfahrenes“ Seefahrervolk.“

    Häh? Was hat Wik mit Buchtenerfahrung oder Seefahrervolk zu tun? oder bin ich nur zu doof, um den Zusammenhang zu verstehen?

    puzzled regards

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    • Laut meiner Quelle kann das „Wik“ der Wikinger „Bucht“ bedeuten oder auch „Rastplatz“. So kommen sie nach dem Wortsinn als „Besucher der Meeresbuchten“ oder als „Lagerbewohner“ in Betracht. Die „Rastplatz“-Option unterschlagen zu haben, kann man mir rot anstreichen. Aber Ihre Frage ist ja eine andere und hiermit anhand der Quelle beantwortet. – Ihr Desinteresse an ausgedehnteren etymologischen Pfadfindereien kann ich verstehen. Auch mich interessiert nicht alles.

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